Einsam an der Spitze
Und die Zeit läuft. Nur wohin?

Eine wichtige Frage - ehrlich:
Wie viele ungelesene Mails liegen gerade in Ihrem Postfach?
Ich frage nicht, weil ich das irgendwo gelesen hab, dass es das geben soll. Ich habe es erlebt. Einen CEO, dessen Postfach über 3.000 ungelesene Mails enthielt — Tendenz steigend. Tatsächlich lagen auch Briefe in der Ablage auf einem Sideboard vor seiner Bürotür, von vor Monaten und ungeöffnet. Sie sollten nur von ihm selbst geöffnet werden. Warum eigentlich? Das ist eine tiefsinnigere Frage, als es im ersten Moment erscheint. Niemand hat sie ihm gestellt. Dazu ein Kalender der von morgens bis abends mit Meetings gefüllt war. Und Familie war da auch noch – Kinder, eine Ehefrau und ein Ferienhaus, das viel zu selten genutzt werden konnte.
Was er sicher hatte? Keine Zeit. Keine Luft. Kein Raum zum Nachdenken.
Und das Schlimmste daran? Es war ihm alles bewusst. Und trotzdem war es aus irgendeinem Grund nicht möglich, das zu ändern. Oder doch?
Die Lösung? Ein Unternehmensberater, der Zweite und auch noch ein Dritter. Und ein persönlicher Coach, um die psychische Belastung zu verarbeiten. Jeder von ihnen mit guten Ideen und sehr guten Impulsen für Veränderung.
Das Ergebnis? Noch mehr Gedanken und weitere wichtige Entscheidungen die getroffen werden mussten. Wo oder wie muss sich das Unternehmen positionieren, damit es sich positiv weiterentwickeln kann. Wie kann er seine mentale Gesundheit verbessern und wie gelingt es ihm als CEO und Gründer loszulassen, mehr von seinem Leben zu haben und mehr für seine Familie da zu sein.
Einsam an der Spitze
75% der Führungskräfte im Topmanagement geben in aktuellen Umfragen an, sich in ihrer Position einsam zu fühlen — so eine Indeed-Erhebung vom Januar 2025. Eine repräsentative Studie von Mystery Minds und YouGov aus dem Jahr 2024 zeigt dasselbe Bild für Führungskräfte in Deutschland: sie fühlen sich überdurchschnittlich oft einsam, häufiger als Mitarbeitende ohne Personalverantwortung.
Wird hier unbewusst und ungewollt etwas von oben nach unten durchgereicht? Einsamkeit an der Spitze überträgt sich. Wer selbst keinen Raum zum Denken hat, gibt auch seinen Mitarbeitenden keinen.
CEOs verbringen laut Harvard Business Review 72% ihrer Arbeitszeit in Meetings. 45 Stunden pro Woche in Besprechungen.
Was bleibt für strategisches Denken? Für sich selbst?
Das beweist: Es ist kein Einzelfall, sondern Realität.
Warum das so ist?
Ein CEO muss stark sein. Zuversichtlich. Er muss Antworten haben, auch wenn er sie nicht hat. Er muss Entscheidungen treffen, auch wenn er sich nicht sicher ist. Er muss führen, auch wenn er selbst keinen klaren Weg sieht. Je höher die Position, desto dünner wird die Luft. Ehrliches Feedback wird zur Ausnahme. Informationen werden gefiltert bevor sie oben ankommen. Und das Umfeld passt sich an. Es ist einfacher dem Chef zu sagen was der Chef hören will. Niemand sagt ihm was er hören muss.
Das ist kein böser Wille. Das ist Hierarchie.
Was das kostet?
Einsamkeit an der Spitze ist kein persönliches Problem. Es ist ein unternehmerisches Risiko. Wer keine ehrliche Rückmeldung bekommt, trifft Entscheidungen im luftleeren Raum. Die Entscheidungsqualität leidet. Das Vertrauen im Unternehmen leidet. Und irgendwann leidet der CEO selbst.
Die Frage ist nicht ob diese Einsamkeit existiert. Sie existiert. Die Frage ist: wie lange noch?
Quellen:
Indeed Umfrage, Januar 2025: Einsamkeit im Topmanagement
Mystery Minds & YouGov, Juni 2024: Einsamkeit am Arbeitsplatz in Deutschland
Harvard Business Review: How CEOs Manage Time

